Otto Schäfer aus Zweibrücken, der Architekt der protestantischen Kirche in Bliesdalheim

 

 

 

Otto Schäfer wurde am 31. Mai 1882 als Sohn eines Sattlers im thüringischen Tüttleben bei Gotha geboren. Er starb am 21. Februar 1959 in Zweibrücken.

Seine Mutter war Posamentenmalerin, das heißt, sie fertigte Vorlagen für Zierborten von Textilien und ähnliche Besatzstücke an. In seiner väterlichen Familie findet man im 17. Jahrhundert einen lutherischen Kirchenmaler und eine Porträtmalerin (Jacob Wendelmuth und Margaretha Rastrum geb. Wendelmuth). Die Begabung für künstlerische und Konstruktionsberufe ist auch unter seinen Nachkommen verbreitet.

Otto Schäfer studierte Architektur in Dessau und Berlin.

Er war ein Schüler des Berliner Architekten Carl Doflein (1852-1944), eines Vertreters des späten Historismus. Darunter wird die Wiederaufnahme und Neukombination der Architektursprache verschiedener alter Stilrichtungen verstanden. Doflein renovierte und baute zahlreiche öffentliche Gebäude in ganz Deutschland, darunter viele Kirchen, vor allem im gotischen und neugotischen Stil.

Dem erst 22jährigen Otto Schäfer wurde die Bauleitung für die von Carl Doflein verantwortete Renovierung der Zweibrücker Alexanderskirche in den Jahren 1904 bis 1911 anvertraut. Es handelte sich um ein Prestigeprojekt, denn als Grablege der Vorfahren der damaligen bayerischen Könige war die Alexanderskirche ein Symbol der Wittelsbacher-Monarchie.

So kam Otto Schäfer in die Westpfalz.

1908 entwarf der 26jährige die Villa Ipser (Villa Rothenberg) in Zweibrücken, ein bauliches Juwel, das den Übergang vom Historismus zum Jugendstil verkörpert. Die von der Zweibrücker Gewobau vorbildlich renovierte Villa Ipser gehört zu den schönsten Bauten ihrer Art in der Pfalz.

Nach dem Ersten Weltkrieg wandte sich Otto Schäfer dem Expressionismus zu. Die Bliesdalheimer protestantische Kirche von 1926/27 stellt ein typisches Beispiel dieser Stilrichtung dar. Die niveauvolle Architektur ist umso bemerkenswerter, als die Mittel für den Bau dieser kleinen Kirche sehr begrenzt waren und vieles in Eigenleistung der Gemeindeglieder geschafft wurde. Der originalgetreue Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg zeugt von dem Respekt der Gemeinde vor dem besonderen architektonischen Charakter ihrer Kirche.

Eine genauere architekturgeschichtliche Untersuchung der Bliesdalheimer protestantischen Kirche wäre sehr wünschenswert. Fachleute könnten sicher die in dieser Kirche zum Ausdruck kommende Formensprache des Expressionismus präziser deuten und mit anderen Bauten der Zwischenkriegszeit ins Verhältnis setzen.

Die ökumenische Verbundenheit in Bliesdalheim, die unter anderem der ökumenische Singkreis so bewegend zum Ausdruck bringt, spiegelt sich in der Familie des Architekten Otto Schäfer. Seine Frau Afra Wittmann (1883-1982) stammte aus dem katholischen bayerischen Donaumoos und kam während des Ersten Weltkriegs ins Bliestal, um ihrem zweimal verwitweten Onkel, dem Lehrer Benedikt Wittmann in Bierbach, den Haushalt zu führen. Unter den Nachkommen von Otto und Afra Schäfer sind engagierte Protestanten und engagierte Katholiken.

 

Dr. Otto Schäfer, Biologe und Theologe, einer der Enkel des Architekten